Gesamtwirtschaftliches und branchenspezifisches Umfeld

Die beiden Sparten des Sartorius Konzerns sind in Branchen mit unterschiedlicher Konjunkturabhängigkeit tätig. So agiert die Sparte Bioprocess Solutions in einem Umfeld, das weitestgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen ist. Die Sparte Lab Products & Services dagegen ist auch in Branchen aktiv, deren Entwicklung stärker von konjunkturellen Einflüssen geprägt ist.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

Das Jahr 2015 war im Wesentlichen durch die Entwicklungen auf den Öl- und Devisenmärkten sowie geopolitische Spannungen geprägt. Laut Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) wuchs die Weltwirtschaft im Berichtsjahr mit einem Plus von 3,1 % und blieb damit hinter der ursprünglichen Prognose von 3,8 % zurück.

Während die Industrieländer ein Wachstum von 2 % nach 1,8 % im Vorjahr verzeichneten, lieferten die Schwellenländer erwartungsgemäß den größten Beitrag zum globalen Wirtschaftswachstum. So stieg ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Berichtsperiode um
4,0 %. Wachstumstreiber war weiterhin der asiatische Wirtschaftsraum, jedoch mit abgeschwächter Dynamik: Mit einem Plus von 6,5 % lag das Wachstum leicht unter dem Niveau des Vorjahres von 6,8 %. Dämpfend wirkte sich insbesondere die Entwicklung Chinas aus, die sich weiter verlangsamte und im Berichtsjahr bei 6,8 % nach 7,3 % im Vorjahr lag.

Das Bruttoinlandsprodukt der weltweit größten Volkswirtschaft, der USA, legte deutlich um 2,6 % zu. Während sich der Anstieg des privaten Konsums sowie der Rückgang der Produktionskosten infolge des Ölpreisverfalls positiv auswirkten, wurde die wirtschaftliche Dynamik durch rückläufige Exporte aufgrund des starken Dollars leicht gebremst.

Das Wachstum der Volkswirtschaften des Euroraums belief sich laut Angaben des IWF auf
1,5 % und fiel somit etwas besser aus, als zu Jahresbeginn erwartet. Der niedrige Ölpreis, gute Exportbedingungen aufgrund des schwachen Euros sowie die expansive Geldpolitik der EZB setzten positive Impulse.

Wechselkursentwicklung

Zu den für den Sartorius Konzern wesentlichen Währungen zählt neben dem Euro insbesondere der US-Dollar sowie einige weitere Währungen, wie das britische Pfund, der Schweizer Franken, der chinesische Yuan, der japanische Yen, der koreanische Won und die indische Rupie.

Der Euro-US-Dollar-Wechselkurs wurde in der Berichtsperiode durch die weiterhin schwache Konjunktur in Europa sowie die robuste Wirtschaftsentwicklung in den USA beeinflusst. So verbilligte sich die Gemeinschaftswährung im Jahresverlauf deutlich und notierte am 31. Dezember 2015 bei 1,09 US-Dollar gegenüber 1,21 US-Dollar zum Vorjahresende.

Zinsentwicklung

Das durchschnittliche Zinsniveau verblieb im Berichtsjahr weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau. So beließ die Europäische Zentralbank den Leitzins auf dem im Vorjahr erreichten Rekordtief von 0,05 %. Der 3-Monats-EURIBOR, das heißt der Zinssatz für Termingelder in Euro im Interbankengeschäft, belief sich zum 31. Dezember auf - 0,13 % nach 0,08 % im Vorjahr.

Quellen: International Monetary Fund: World Economic Outlook October 2015; Bloomberg.

Branchenspezifisches Umfeld

Neben der biopharmazeutischen und pharmazeutischen Industrie gehören öffentliche Forschungseinrichtungen und die Chemie- und Nahrungsmittelbranche zu den Hauptkunden von Sartorius. Von den Entwicklungen in den jeweiligen Branchen gehen entsprechend wichtige Impulse für die Geschäftsentwicklung des Konzerns aus.

Pharmamärkte mit deutlichem Wachstum

Die wesentlichen Wachstumstreiber der weltweiten Pharmaindustrie blieben im Berichtsjahr weitgehend unverändert: die stetig wachsende Weltbevölkerung, der demografische Wandel, ein verbesserter Zugang zu Gesundheitsversorgung insbesondere in den Emerging Markets sowie die Verfügbarkeit neuer Medikamente. Diesen positiven Faktoren wirkten Sparmaßnahmen in den Gesundheitssystemen und Patentabläufe entgegen.

Im Jahr 2015 lag das Wachstum des weltweiten Pharmamarktes laut Angaben des Marktforschungs- instituts IMS Health mit rund 6 % leicht über dem langfristigen Durchschnitt von 5,4 % (2009 - 14). Die stärkste Wachstumsdynamik zeigten wie schon in den Vorjahren die Regionen Asien und Lateinamerika, deren Entwicklung durch den Ausbau staatlicher Gesundheitsversorgung sowie höhere Ausgaben privater Haushalte begünstigt wurde. Im weltgrößten Pharmamarkt in den USA normalisierte sich das Wachstum im Vergleich zu einer außergewöhnlich hohen Dynamik im Vorjahr, die durch eine Vielzahl von Produktneuzulassungen begünstigt war.

Überdurchschnittliches Wachstum im Biotechnologiemarkt

Der Markt für biotechnologisch hergestellte Arzneimittel wächst seit Jahren innerhalb des Weltpharmamarktes überproportional mit einer besonders dynamischen Entwicklung im Berichtsjahr. Dies ist vor allem durch die Einführung zahlreicher neuer Biopharmazeutika sowie die weitere Marktdurchdringung vorhandener Arzneimittel unter anderem durch die Erweiterung von Indikationen begründet. Die hohe F&E-Produktivität der Biotechnologieindustrie führte beispielsweise in den USA im Jahr 2014 zu fast doppelt so vielen Neuzulassungen wie in den Vorjahren. Insgesamt stieg der Umsatzanteil biologisch hergestellter Medikamente am Weltpharmamarkt von ca. 20 % im Jahr 2012 auf rund 24 % im Berichtsjahr.

Biosimilars, das heißt biologische Nachahmermedikamente, spielten für das Wachstum des Biotechnologiemarktes im Jahr 2015 eine noch untergeordnete Rolle. Im wichtigen US-amerikanischen Markt, der gegenüber den Biosimilars-Märkten in Europa und Asien noch unterentwickelt ist, verzeichnete die Industrie im Berichtsjahr deutliche Fortschritte: So wurden inzwischen fünf Biosimilars bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zur Zulassung eingereicht und die erste Marktzulassung auf Basis eines verkürzten Verfahrens erteilt.

Trend zu Einwegsystemen bei der Produktion von Biopharmazeutika setzt sich fort

Biotechnologische Produktionsverfahren sind im Vergleich zu klassischen Verfahren weitaus komplexer und kostenintensiver. Hersteller und Zulieferer arbeiten daher kontinuierlich daran, effizientere Technologien zu entwickeln. Eine ganz entscheidende Rolle spielen dabei Einwegprodukte, die deutlich geringere Investitionsvolumen erfordern, die Kosten für Reinigung und Validierung senken und Stillstandszeiten reduzieren. Darüber hinaus bieten sie eine höhere Flexibilität und ermöglichen eine schnellere Markteinführung. Insbesondere aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit sind Einwegtechnologien heute bereits in vielen Prozessschritten etabliert.

Weiter gedämpfte Nachfrage im öffentlichen Forschungssektor

Ein Teil der Nachfrage nach Laborinstrumenten und -verbrauchsmaterialien kommt aus der öffentlichen Forschung. Im Berichtsjahr lagen die Ausgaben des öffentlichen Forschungssektors laut Marktbeobachter Frost & Sullivan nur leicht über dem Vorjahresniveau. Diese Entwicklung entspricht dem insgesamt moderaten Wachstum der Weltwirtschaft.

Chemiebranche mit robustem Produktionszuwachs

Die weltweite Chemieindustrie verzeichnete im Jahr 2015 einen Produktionszuwachs von etwa 2,8 %. Während die US-amerikanische Chemieindustrie angesichts der robusten Entwicklung der heimischen Wirtschaft einen Produktionszuwachs von rund 3,6 % erzielte, dürfte die Produktion der chemischen Industrie in Europa laut Angaben des European Chemical Industry Council (Cefic) lediglich um 1,0 % zugelegt haben.

Wettbewerbsposition

Das Wettbewerbsumfeld stellt sich für die beiden Sparten des Sartorius Konzerns wie folgt dar:

Die Sparte Bioprocess Solutions ist als Total Solution Provider für zentrale Prozessschritte in der biopharmazeutischen Produktion und Prozessentwicklung positioniert. Sie nimmt eine weltweit führende Position in wesentlichen Technologiebereichen ein. Im Bereich der Einwegtechnologien verfügen wir über das umfangreichste Portfolio der Branche. Die Hauptwettbewerber der Sparte Bioprocess Solutions sind vor allem Firmen wie Merck | Millipore, Danaher | Pall, General Electric und Thermo Fisher.

Die Sparte Lab Products & Services ist als Premiumanbieter mit exzellentem Service positioniert. Sie adressiert sowohl Forschungs- als auch Qualitätssicherungslabore einer Vielzahl von Industrien. Das Produktportfolio umfasst beispielsweise Laborwaagen und Pipetten sowie ein breites Angebot an Verbrauchsmaterialien. In diesen Bereichen zählt die Sparte zu den global führenden Anbietern. Zu den Hauptwettbewerbern gehören unter anderem Mettler Toledo, Thermo Fisher, Merck | Millipore, Danaher | Pall und Eppendorf.

Quellen: IMS: IMS Health Market Prognosis, May 2015; Evaluate Pharma: World Preview 2015, Outlook to 2020, June 2015; Frost & Sullivan: 2015 Annual Report: Forecast and Analysis of the Global Market for Laboratory Products, November 2015; www.fda.gov; Citi Research: Biosimilars: Real, Dangerous, Coming Soon, February 2015; Bernstein: Biosimilars: Who is doing what?, November 2015; Cefic: 2015 Cefic General Assembly, October 2015; American Chemistry Council: Year-End 2015 Chemical Industry Situation and Outlook, December 2015.