Geschäftsentwicklung Bioprocess Solutions

  • Umsatzwachstum und Ertragsmarge übertreffen Erwartungen
  • Ausbau von Marktanteilen in dynamischem Marktumfeld
  • Portfolioerweiterung in der Prozessentwicklung durch zwei Akquisitionen

Kennzahlen

in Mio. €20152014Δ in %
Umsatz809,2615,620,91)
Auftragseingang869,9652,722,81)
Underlying EBITDA214,5145,647,3
in % vom Umsatz
26,523,7
Mitarbeiter per 31.12.4.0303.52714,3

Produkte für die biopharmazeutische Produktion

Filter zur Sterilisation biopharmazeutischer Medien


Nähr- und Pufferlösungen für den Zellkulturprozess


Innovative Einweg-Technologie zur Klarfiltration


Neue Einwegbeutel zur Fermentation und Lagerung biopharmazeutischer Medien


Membranadsorber zur sicheren und effizienten Aufreinigung im Bioprozess


Einweg-Bioreaktorsysteme für Zellkulturprozesse bis zu einem 2.000L-Maßstab

Umsatz

Die Sparte Bioprocess Solutions verzeichnete im Berichtsjahr erneut überdurchschnittliche Zuwachsraten, die stärker ausfielen als zu Jahresbeginn prognostiziert. Hierzu trugen sowohl die höher als erwartete Wachstumsdynamik des Biopharmamarktes als auch Marktanteilsgewinne bei.

Umsatz und Auftragseingang

in Mio. €20152014in %
nomi-
nal
in %
wb
Umsatz809,2615,631,420,9
Auftragseingang869,9652,733,322,8

Der Umsatz der Sparte legte im Berichtsjahr von 615,6 Mio. € auf 809,2 Mio. € zu. Dies entspricht einem wechselkursbereinigten Zuwachs von 20,9 % (nominal + 31,4 %). Alle Produktbereiche trugen zu diesem Wachstum bei, insbesondere Einweglösungen wie Beutel und Filter. Die im Berichtsjahr akquirierten Unternehmen BioOutsource Ltd. und Cellca GmbH entwickelten sich ebenfalls sehr positiv und lieferten einen Beitrag zum Umsatzwachstum der Sparte von wechselkursbereinigt knapp 2 Prozentpunkten.

Alle nachfolgend dargestellten Veränderungsraten zum regionalen Geschäftsverlauf sind wechselkursbereinigt, sofern nicht anderweitig angegeben.

Das Wachstum der Sparte wurde im Berichtsjahr von allen Regionen getragen. Besonders dynamisch entwickelten sich die Regionen Amerika und EMEA, in denen die Sparte nach unserer Einschätzung Marktanteile hinzugewinnen konnte. So verzeichnete die Region EMEA, die mit einem Anteil von rund 43 % umsatzstärkste Region, einen Anstieg von 22,6 % auf 349,6 Mio. € (nominal + 24,9 % gegenüber 280,0 Mio. €). Amerika, das rund 38 % des Spartenumsatzes ausmacht, erzielte ein Umsatzplus von 25,9 % auf 310,4 Mio. € (nominal + 48,8 % gegenüber 208,6 Mio. €). In der Region Asien | Pazifik, auf die rund 18 % des Umsatzes entfiel, verzeichnete die Sparte einen deutlich zweistelligen Anstieg des Auftragsvolumens. Der Umsatz verbesserte sich gegenüber einer hohen Vergleichsbasis um
8,9 % auf 149,2 Mio. € (nominal + 17,5 % gegenüber 127,0 Mio. €).

Ergebnis

Die Sparte Bioprocess Solutions steigerte ihr Ergebnis in der Berichtsperiode signifikant, insbesondere aufgrund von Skaleneffekten in Zusammenhang mit dem dynamischen Umsatzwachstum. So stieg das underlying EBITDA überproportional um 47,3 % von 145,6 Mio. € auf 214,5 Mio. €. Die entsprechende Marge erhöhte sich von 23,7 % auf 26,5 % und lag über unserer ursprünglichen Prognose. Wechselkurseffekte wirkten sich in der Berichtsperiode ebenfalls positiv aus und trugen rund 0,5 Prozentpunkte zur Steigerung der Marge bei.

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge Bioprocess Solutions

20152014
Underlying EBITDA
in Mio. €
214,5145,6
Underlying EBITDA-Marge in %26,523,7

Auf die Sparte Bioprocess Solutions entfielen im Berichtsjahr Sondereffekte in Höhe von - 8,2 Mio. € gegenüber - 5,9 Mio. € im Vorjahr.

Produkte und Vertrieb

Die Sparte Bioprocess Solutions deckt mit ihrem Produktportfolio nahezu alle Schritte des biopharmazeutischen Herstellungsprozesses ab: von Medien für die Anzucht von Zellen über Bioreaktoren verschiedener Größen für ihre Vermehrung, über Filter für die Aufarbeitung des Zellmaterials bis hin zu Systemen für die Lagerung und den Transport von Zwischen- und Endprodukten. Um unsere Kunden bei der Einhaltung der strengen regulatorischen Prozessanforderungen seitens zuständiger Behörden zu unterstützen, bieten wir zudem ein umfangreiches Serviceangebot: Es umfasst neben der Installation, Wartung und Reparatur von Geräten auch Validierungs- und Beratungstätigkeiten sowie Auftragstestungen.

Akquisitionen erweitern Portfolio für die Prozessentwicklung

Bislang war das Produktportfolio der Sparte Bioprocess Solutions überwiegend auf großvolumige biopharmazeutische Produktionsprozesse ausgerichtet. Durch die im Berichtsjahr akquirierten Unternehmen BioOutsource und Cellca haben wir unser Angebot in dem der Produktion vorgelagerten Bereich der Prozessentwicklung ausgebaut.

So verfügt Sartorius durch die Übernahme von BioOutsource nunmehr über ein breites Spektrum an analytischen Dienstleistungen. Diese Tests werden sowohl in der Entwicklung von Wirkstoffen eingesetzt, beispielsweise bei der Charakterisierung und beim Abgleich zwischen Referenz- und Nachahmerprodukt, als auch in den späteren Produktionsprozessen wie bei der Freigabe von Medikamenten-Chargen. Das Dienstleistungsangebot von BioOutsource ist insbesondere auf die stark wachsende Biosimilar-Industrie ausgerichtet.

Weiterhin hat Sartorius sein Angebot durch die Akquisition von Cellca verstärkt. Das Unternehmen bietet eine Plattformtechnologie für Biopharmaunternehmen, die ihre Prozessentwicklung nicht oder nur teilweise im eigenen Hause durchführen. Das Angebot umfasst die Optimierung des Expressionssystems sowie Zelllinien-, Medien- und Prozessentwicklung.

In Verbindung mit unseren Einwegprodukten, Zellkulturmedien sowie kleinvolumigen Bioreaktoren haben wir damit ein attraktives Portfolio für die Prozessentwicklung und -optimierung vor allem für jüngere Biopharma- und Biosimilarfirmen aufgebaut.

Bioprozess-Portfolio weiter ausgebaut

Neben der Erweiterung des Produktportfolios durch Akquisitionen hat die Sparte im Berichtsjahr sowohl neue Generationen bestehender Produktlinien als auch neue Einwegtechnologien auf den Markt gebracht.

Nachdem wir im Vorjahr Einwegbeutel für die Fermentation aus einer neu entwickelten Polyethylenfolie auf den Markt gebracht haben, haben wir im Berichtsjahr das Anwendungsspektrum der Folie auf Bags für Lagerprozesse ausgeweitet. Folglich müssen unsere Kunden nur noch ein Kunststoffmaterial validieren lassen und können dadurch ihre Validierungszeiten und –kosten deutlich reduzieren. Zudem sind die neuen Einwegbeutel bereits für bestimmte Prozessschritte vorkonfiguriert und damit bei Auslieferung direkt einsetzbar.

Weiterhin hat Sartorius im Berichtsjahr eine neue, einwegbasierte Technologie zur Klarfiltration eingeführt, die eine Alternative gegenüber der herkömmlichen Aufbereitung von Kulturen mittels Zentrifugen darstellt. Sie ermöglicht unseren Kunden, zuvor getrennte Prozessschritte in einem einzigen Verarbeitungsschritt durchzuführen und gleichzeitig die Vorteile eines Einwegsystems zu nutzen. Dadurch reduzieren sie Kosten und sparen Zeit.

Um unser Angebot an Process Analytical Tools (PAT) zu erweitern, haben wir im Berichtsjahr eine Entwicklungskooperation mit em-tec, einem Spezialisten für nicht-invasive Durchflussmessung, geschlossen. Die Einwegsensoren werden in unterschiedlichen biopharmazeutischen Prozessschritten eingesetzt, um den Durchfluss und die Masse von Zellmaterial zu bestimmen. Sie ermöglichen es, kritische Parameter ohne direkten Kontakt mit dem Medium in Echtzeit zu messen. Unsere Kunden können so ihre Prozesse stärker automatisieren und weiter optimieren.

Vertriebsaktivitäten verstärkt

Die Sparte Bioprocess Solutions vertreibt ihr Produktportfolio direkt über eigene Außendienstmitarbeiter. Die Vertriebsaktivitäten bei Großkunden werden dabei durch ein globales Key Account Management koordiniert und unterstützt. Im Rahmen der Umsetzung der 2020-Strategie wurden außerdem die Vertriebsaktivitäten in Nordamerika weiter ausgebaut. Nach Shanghai im Vorjahr haben wir im Berichtsjahr ein neues Applikationszentrum in Bohemia eröffnet. In diesem können alle wesentlichen Produkte sowie Komplettlösungen präsentiert und verschiedene Applikationen demonstriert werden. Zudem haben unsere Kunden die Möglichkeit, Testversuche durchzuführen oder auch an Trainings teilzunehmen. Im Bereich Membranchromatographie sind wir zudem eine Vertriebskooperation mit GE Healthcare, dem Marktführer im Bereich der Chromatographie, eingegangen. Über den zusätzlichen Vertrieb durch GE sehen wir eine gute Möglichkeit, unsere Einweglösung, die eine attraktive Alternative zur klassischen Mehrweg-Chromatographie darstellt, auf breiter Basis am Markt zu etablieren. Um Prozesse noch effizienter zu gestalten, hatte Sartorius im Vorjahr begonnen, ein neues globales CRM-System einzuführen, das im Berichtsjahr in Europa implementiert wurde.

Forschung und Entwicklung

Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten umfassen neben der eigenen Entwicklung im Bereich unserer Kerntechnologien auch die Integration von Produkten durch Kooperationen mit Partnern aus Hochschulen und Industrie.

In der eigenen Forschung und Entwicklung konzentriert sich Sartorius insbesondere auf folgende Technologiebereiche: Membranen, die die Kernkomponente für Filterprodukte jeder Art bilden; unterschiedliche Basistechnologien für ein breites Applikationsspektrum im Bioprozess wie Einwegcontainer und Sensoren sowie Prozesssteuerung zum Beispiel für die Fermentation. Darüber hinaus verfügen wir über weitreichende Expertise in der Entwicklung von Bioprozessapplikationen. Bei unserer Forschung und Entwicklung verfolgen wir das Ziel, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre Prozesse kontinuierlich zu optimieren und deren Effizienz stetig zu erhöhen.

So lag im Berichtsjahr ein Schwerpunkt unserer F&E-Aktivitäten beispielsweise darauf, ein Fermentationssystem zu entwickeln, mit dem bis zu acht kleinvolumige Einweg-Bioreaktoren gleichzeitig betrieben werden können. Der multiparallele Betrieb wird unseren Kunden ermöglichen, die Produktivität in der Prozessentwicklung deutlich zu steigern.

Im Bereich der Tiefenfiltration arbeiten wir an der Entwicklung einer einwegbasierten Lösung für die Aufbereitung von Kulturen mit geringer Zelldichte, die sich insbesondere durch einfache Handhabung und flexible Skalierbarkeit auszeichnet.

Regional betrachtet, befindet sich der größte F&E-Standort in Göttingen; weitere wichtige Standorte sind Aubagne, Guxhagen, Bangalore und Royston. Insgesamt stellen wir unsere F&E-Aktivitäten zunehmend internationaler auf.

Im Berichtsjahr hat Sartorius in der Sparte Bioprocess Solutions 39,5 Mio. € nach 32,4 Mio. € im Vorjahr für seine Entwicklung aufgewendet. Die F&E-Quote lag mit 4,9 % unter dem Vorjahreswert von 5,3 %.

Produktion und Supply Chain Management

Die Sparte Bioprocess Solutions verfügt über ein global gut ausgebautes Produktionsnetzwerk mit Werken in Europa, Nordamerika und Asien. Die größten Produktionsstandorte befinden sich in Deutschland, Frankreich und Puerto Rico. Darüber hinaus produziert Sartorius in der Schweiz, Großbritannien, Tunesien und Indien.

Unsere Produktionsstandorte fungieren grundsätzlich als Kompetenzzentren für bestimmte Technologien. So konzentriert sich beispielsweise das größte Werk in Göttingen hauptsächlich auf die Herstellung von Membranfiltern, während in Aubagne und Mohamdia in erster Linie Einwegbeutel produziert werden. Yauco versorgt vor allem den amerikanischen Markt mit Membranfiltern und Einwegbeuteln. Der Schwerpunkt des Standortes in Guxhagen liegt auf den Bereichen Bioreaktoren und weiteren Systemen für Bioprozessanwendungen; Guxhagen arbeitet eng mit dem Werk in Bangalore zusammen, in dem vor allem Edelstahleinheiten für diese Systeme gefertigt werden.

Einhergehend mit dem zweistelligen Wachstum der Sparte Bioprocess Solutions investieren wir kontinuierlich sowohl in die Erweiterung unserer Produktionskapazitäten, als auch in die Optimierung unserer Produktionsabläufe. So haben wir am Standort Göttingen eine weitere Ziehmaschine für die Herstellung von Membranen in Betrieb genommen und in Yauco Vorbereitungen für die Erweiterung der Produktion getroffen. An den drei Hauptstandorten der Bag-Produktion in Aubagne, Yauco und Mohamdia wurden zudem die Durchlaufzeiten in der Produktion verkürzt und einzelne Prozessschritte entkoppelt. So konnten im Berichtsjahr trotz der sehr starken Nachfrage nach Einwegbeuteln Lieferzeiten weiter verbessert werden.