Strategie und Ziele

Der Sartorius Konzern hat sein Geschäft in zwei Sparten organisiert: Bioprocess Solutions und Lab Products & Services. Die Spartenaufstellung und -strategie stellt sich wie folgt dar:

Bioprocess Solutions

Die Sparte Bioprocess Solutions ist ein weltweit führender Anbieter von Produkten und Technologien für die Produktion von Medikamenten und Impfstoffen auf biologischer Basis, sogenannter Biopharmazeutika. Im Rahmen unserer Lösungsanbieter-Strategie haben wir für die biopharmazeutische Industrie ein Produktportfolio aufgebaut, das nahezu alle Prozessschritte ihrer Produktion und zunehmend auch die Prozessentwicklung abdeckt. Dies umfasst Zellkultur-Medien für die Anzucht der Zellen, Bioreaktoren verschiedener Größen für ihre Vermehrung sowie unterschiedliche Technologien wie Filter und Bags für ihre Ernte, Reinigung und Konzentration bis hin zur Abfüllung.

Einen besonderen Fokus legt Sartorius auf Einwegprodukte, die für rund drei Viertel des Spartenumsatzes stehen. Gegenüber herkömmlichen wiederverwendbaren Systemen aus Edelstahl stellen Einwegprodukte für unsere Kunden eine innovative Alternative dar: Sie bieten vor allem erhebliche Kosten- und Zeitvorteile und reduzieren das Risiko von Kontaminationen. Im Bereich der Einwegtechnologien verfügt Sartorius über das umfangreichste Portfolio der Branche.

Mit ihren Produkten adressiert die Sparte einen attraktiven Markt mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten. Der Vertrieb erfolgt weltweit direkt durch unseren spezialisierten Außendienst. Da die Produktionsprozesse unserer Kunden von den zuständigen Gesundheitsbehörden validiert werden, spielen Produktqualität und Liefersicherheit eine besondere Rolle. Die führenden Marktpositionen der Sparte Bioprocess Solutions in den Bereichen Prozessfiltration, Fluidmanagement, Fermentation und Membranchromatographie sehen wir als gute Basis, um auch künftig dynamisch und profitabel zu wachsen. Neben der Realisierung des organischen Wachstumspotenzials streben wir an, das Portfolio der Sparte auch weiterhin durch komplementäre Akquisitionen sowie Kooperationen auszubauen.

Lab Products & Services

Die Sparte Lab Products & Services konzentriert sich auf Forschungs- und Qualitätssicherungslabore in Pharma- und Biopharmaunternehmen sowie auf akademische Forschungseinrichtungen. Weitere Kunden kommen aus der Chemie- und Nahrungsmittelindustrie. Das Portfolio umfasst Instrumente und Verbrauchsmaterialien, die in der Probenvorbereitung und anderen Standardapplikationen eingesetzt werden. Laborinstrumente wie Laborwaagen, Pipetten und Laborwassersysteme tragen rund 60 % des Umsatzes bei. Auf Verbrauchsartikel wie Laborfilter, mikrobiologische Tests und Pipettenspitzen sowie Service entfallen rund 40 % des Spartenumsatzes.

Lab Products & Services vertreibt seine Produkte über die drei Vertriebskanäle Fachhandel, Direktvertrieb und eBusiness. Während der Vertrieb über den Fachhandel seit langem gut etabliert ist, werden Direktvertrieb und eBusiness weiter ausgebaut, um die Marktposition zu stärken.

Sartorius ist eine bekannte Labormarke im Premiumsegment und verfügt insgesamt über gute Marktanteile. Historisch bedingt variieren diese je nach Region und Produktgruppe recht deutlich. Vor allem durch den Ausbau unserer Vertriebsaktivitäten sehen wir für die Sparte Lab Products & Services großes Potenzial, weiter organisch zu wachsen. Aufgrund von Skaleneffekten sollte dieses Wachstum mit einer weiteren Steigerung der Profitabilität einhergehen. Darüber hinaus streben wir an, das Angebot der Sparte um komplementäre Laborprodukte zu erweitern. Dabei sind sowohl Zukäufe als auch Kooperationen denkbar.

Aktualisierung der ‚Sartorius 2020'-Ziele

Sartorius hatte im Jahr 2011 seine Strategie und langfristige Ziele für profitables Wachstum bis zum Jahr 2020 definiert. Die Bilanz dieser 2020-Strategie nach knapp der Hälfte ihrer Laufzeit ist positiv. Zu Jahresbeginn 2016 aktualisierte das Unternehmen erstmals seine Planung und hob die Profitabilitätsprognose für 2020 an.

Mit Blick auf den Umsatz geht das Unternehmen weiter davon aus, sein Umsatzziel von 2 Mrd. Euro in konstanten Wechselkursen im Jahr 2020 erreichen zu können. Angesichts des fortgesetzt starken organischen Wachstums und der eher kleineren Zukäufe dürfte dabei aus heutiger Sicht der Beitrag aus organischem Wachstum etwas höher ausfallen als 2011 projektiert und der Umsatzbeitrag aus Akquisitionen etwas geringer.

Bezüglich der Profitabilität hat Sartorius die für das Jahr 2020 angestrebte EBITDA-Marge von etwa 23 % im Berichtsjahr bereits erreicht und damit deutlich früher als ursprünglich erwartet. Grund hierfür waren höhere Skaleneffekte, ein verbessertes Produktportfolio sowie positive Wechselkurseffekte. Die operative EBITDA-Marge soll nun auf Basis konstanter Wechselkurse im Jahr 2020 etwa 26 % bis 27 % erreichen, statt wie bisher avisiert 23 %. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Profitabilität zukünftiger Akquisitionen auf einem mit dem bestehenden Geschäft vergleichbarem Niveau liegt.

Die Sartorius 2020-Planung wird durch verschiedene Wachstumsinitiativen mit folgenden Schwerpunkten umgesetzt:

Regionale Wachstumsinitiativen

Regional betrachtet, bilden Nordamerika sowie ausgewählte Länder Asiens den Schwerpunkt der Wachstumsstrategie.

So ist Nordamerika sowohl für die Herstellung von Biopharmazeutika als auch für Laborprodukte der weltweit größte Markt. Vor dem Hintergrund, dass die Hauptwettbewerber beider Sparten in Nordamerika beheimatet sind, hat Sartorius in dieser Region historisch geringere Marktanteile als in Europa und Asien. Entsprechend sollen Marktanteile hinzugewonnen werden, vor allem durch die Verstärkung der Vertriebs- und Servicekapazitäten sowie die Reorganisation der Vertriebsprozesse.

Der zweite regionale Fokus liegt auf Asien, insbesondere den Ländern China, Südkorea und Indien. Diese Märkte verfügen über großes Potenzial und wachsen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich. Um an dieser Dynamik bestmöglich teilzuhaben, hat Sartorius auch in dieser Region erheblich in seine Vertriebsinfrastruktur investiert.

Erweiterung des Produktportfolios

Mit Bezug auf die Weiterentwicklung der Produktpalette sieht die 2020-Strategie neben Erweiterungen durch eigene Entwicklungsaktivitäten und Kooperationen auch Zukäufe in beiden Sparten vor. Den Schwerpunkt bilden dabei komplementäre Technologien und Produkte, die das Portfolio des Unternehmens aus Kundenperspektive noch attraktiver machen. Seit 2011 haben wir unser Portfolio durch sechs kleinere und mittlere Zukäufe verstärken können.

Infrastruktur

Rückgrat des angestrebten Wachstums sollen effiziente Geschäftsprozesse, eine leistungsfähige IT-Infrastruktur und ausreichende Produktionskapazitäten bilden. Auf Basis weltweit vereinheitlichter Geschäftsprozesse führt Sartorius im Rahmen eines mehrjährigen Projekts global ein neues ERP-System ein. Weiterhin werden an verschiedenen Standorten in erheblichem Umfang die Produktionskapazitäten erweitert und am Standort der Konzernzentrale in Göttingen zwei bisher räumlich getrennte Werke zusammengeführt.