Bericht des Vorstands

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Jahr 2020 wird für Sartorius ein besonderes, denn unser Unternehmen wird 150 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums werden wir in einer Reihe von Veranstaltungen gemeinsam mit Wissenschaftlern, Kunden und Mitarbeitern vor allem einen Blick nach vorn wagen: Wohin steuert unsere Industrie? Welche Herausforderungen gilt es in Zukunft zu meistern? In welchen Bereichen gibt es die nächsten Durchbrüche und Chancen? Denn wir befinden uns in einer außergewöhnlich dynamischen Phase der Entwicklung der Lebenswissenschaften mit spannenden Zukunftsaussichten.

Doch schauen wir zuvor auf das abgelaufene Jahr: Sartorius hat seine sehr dynamische Entwicklung auch 2019 fortgesetzt und das Jahr mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Ertrag abgeschlossen. Mit einem Umsatzplus von 14,8% auf etwas mehr als 1,8 Milliarden Euro bei einer um 1,2 Prozentpunkte auf 27,1 Prozent gestiegenen EBITDA-Marge haben wir die zu Jahresbeginn erwartete Geschäftsentwicklung deutlich und die zum Halbjahr 2019 spürbar angehobene Prognose leicht übertroffen. Erfreulich ist auch, dass wir erneut die Mitarbeiterzahl deutlich steigern konnten, um rund 900 auf etwas über 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zugleich haben wir unsere Position als international führender Technologiepartner der biopharmazeutischen Forschung und Industrie gefestigt und ausgebaut. Durch die Erweiterung unserer Produktionskapazitäten sind wir gut vorbereitet, den steigenden Bedarf eines stark expandierenden Marktes auch in Zukunft optimal zu bedienen. So tragen wir mit unseren innovativen Tools und Technologien dazu bei, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in eine bessere Patientenversorgung überführt werden können und mehr Menschen Zugang zu besserer Medizin erhalten.

Mit der Übernahme der Mehrheit an dem israelischen Zellkulturmedien-Entwickler und -Hersteller Biological Industries erhält Sartorius erstmals eine eigene Produktion von Zellkulturmedien und erweitert sein Angebot im Bereich von Medien für Bioprocessing deutlich. Biological Industries konzentriert sich bislang vor allem auf das Zukunftsfeld Zell- und Gentherapien, in dem in jüngerer Vergangenheit therapeutische Durchbrüche gelungen sind.

Mit der Mehrheitsübernahme ergänzen wir deshalb unser Produktportfolio gleichzeitig auch für Kunden im dynamisch wachsenden Markt für Advanced Therapies.

Zudem haben wir im Oktober 2019 eine Vereinbarung über den Erwerb von Teilen des Life-Science-Portfolios von Danaher für rund 750 Millionen US-Dollar in bar unterzeichnet. Das zur Übernahme stehende Portfolio passt strategisch hervorragend zu beiden Sparten von Sartorius. In unserer Laborsparte wird das strategisch wichtige Arbeitsgebiet Bioanalytik mit einer breit akzeptierten und differenzierenden Technologie zum Einsatz in der biopharmazeutischen Wirkstoffforschung gestärkt. In der Bioprocess-Sparte erweitern wir insbesondere im Downstream-Bereich unser bestehendes Angebot. Die geplante Transaktion befindet sich derzeit im kartellrechtlichen Genehmigungsverfahren im Zusammenhang mit der Übernahme des GE Biopharma- Geschäfts durch Danaher. Wir erwarten den Vollzug der Übernahme gegen Ende des ersten Quartals 2020.

Die äußerst positive Geschäftsentwicklung unseres Konzerns führte auch zu einem weiteren Kursanstieg bei den Sartorius-Aktien. In einem trotz schwächerer globaler Konjunktur und wirtschaftspolitischer Konflikte insgesamt positiven Börsenumfeld verzeichneten sie überdurchschnittliche Zuwächse: Die Vorzugsaktie beendete das Börsenjahr 2019 mit einem Kurs von 190,80 Euro, was einem Plus von 75,2 % entspricht. Die Stammaktie schloss rund 82,3 % höher bei 175,00 Euro.

Unsere Aktionäre wollen wir auch in diesem Jahr wieder angemessen am Erfolg der Gesellschaft beteiligen. Aufsichtsrat und Vorstand werden der Hauptversammlung am 26. März 2020 vorschlagen, die Dividende zum zehnten Mal nacheinander zu erhöhen und 0,71 Euro je Vorzugsaktie bzw. 0,70 Euro je Stammaktie auszuschütten.

Lassen Sie uns einen Blick auf unsere Sparten werfen, die beide zur positiven Entwicklung des Konzerns beigetragen haben.

Die Sparte Bioprocess Solutions, die Produkte und Dienstleistungen für alle Phasen bei der Produktion von Biopharmaka anbietet, ist wie bereits im Vorjahr bei Umsatz und Ertrag sehr dynamisch gewachsen. Aufgrund einer starken Nachfrage bereits zur Jahresmitte über sämtliche Produktkategorien und Regionen hinweg hatten wir unsere Prognose zum Halbjahr 2019 deutlich erhöht. Mit einem Anstieg des Spartenumsatzes um wechselkursbereinigt 18,1% und einer um einen Prozentpunkt höheren Ertragsmarge von 29,6 % haben wir sogar diese Prognose etwas übertroffen.

Operativ haben wir die Weichen für eine weitere positive Entwicklung gestellt: Die erheblich größeren Produktionskapazitäten in Yauco, Puerto Rico, die wir im Sommer in Betrieb genommen haben, geben Sartorius den Spielraum, amerikanische Kunden mit einem noch breiteren Produktspektrum direkt aus der Region zu beliefern. Am Standort Aubagne wurde der neue Reinraum für die Herstellung von Einweg-Bags in Betrieb genommen, und auch in Göttingen und Ulm wurden neue Produktionskapazitäten aufgebaut.

Die Sparte Lab Products&Services, die Produkte und Dienstleistungen für Forschungs- und Qualitätssicherungslabore vorrangig der Pharma- und Biopharmaindustrie sowie weiterer Segmente anbietet, zeigte in einem teilweise schwierigen konjunkturellen Umfeld eine robuste Entwicklung. Mit einem Umsatzplus von 5,9 % haben wir wie erwartet den unteren Bereich unserer Prognose erreicht, die Ertragsmarge stieg um mehr als einen Prozentpunkt auf 19,6 %.

Wir sind davon überzeugt, dass die Bedeutung leistungsfähiger bioanalytischer Werkzeuge in unserer Branche zunimmt, und treiben deshalb den Ausbau dieses Geschäftsfelds weiter konsequent voran. Nach den 2016 und 2017 erfolgten Übernahmen der Unternehmen Intellicyt und Essen Bioscience verfügt Sartorius bereits heute über ein sehr gut positioniertes und innovatives Zellanalytik-Segment. Durch die geplante Akquisition von Teilen des Life-Science-Portfolios von Danaher, die auch das FortéBio-Geschäft zur markierungsfreien Analyse von Biomolekülen enthält, würde unser Bioanalytik-Angebot noch relevanter und attraktiver für unsere Kunden werden.

Die Zeichen für Sartorius stehen weiter auf Wachstum. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach biopharmazeutisch hergestellten Medikamenten auch in Zukunft kontinuierlich steigt und damit der Bedarf an leistungsfähigen Technologien und Lösungen für die Entwicklung und Produktion von Biopharmazeutika. Wir wollen unser Wachstum unverändert fortsetzen und bis 2025 bei einer Ertragsmarge von etwa 28 % einen Umsatz von rund 4 Milliarden Euro erreichen. Gemäß unserer Erwartung werden dann etwa 15.000 Menschen bei Sartorius beschäftigt sein.

Auch für unser Jubiläumsjahr gehen wir von profitablem Wachstum aus. 2020 erhöht sich der währungsbereinigte Umsatz voraussichtlich um etwa 10 % bis 13 %. Damit werden wir unsere 2012 für das Jahr 2020 aufgestellte Mittelfristprognose erreichen und einen Konzernumsatz von etwa 2 Milliarden Euro erzielen. Bei der EBITDA-Marge erwarten wir einen Anstieg auf 27,5 %. Unsere Investitionsquote wird mit voraussichtlich etwa 10% unter dem Vorjahresniveau von 12,3% liegen. Die Akquisition von Teilen des Life-Science-Portfolios von Danaher ist in den genannten Zahlen nicht enthalten. Nach Vollzug der Transaktion werden wir die Prognose anpassen.

Für den bisherigen und zukünftigen Erfolg von Sartorius ist der wichtigste Baustein das Team. Weltweit arbeiten unsere mehr als 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Expertise, Einsatzbereitschaft und Hingabe dafür, Sartorius voranzubringen. Im Namen des gesamten Vorstands gilt mein aufrichtiger Dank ihrer Bereitschaft, immer einen Schritt mehr zu gehen.

Ebenso herzlich danken möchte ich unseren geschätzten Kunden, Geschäftspartnern, Aktionärinnen und Aktionären. Durch ihr im vergangenen Jahr entgegengebrachtes Vertrauen haben sie einen großen Teil zur positiven Entwicklung von Sartorius beigetragen. Wir freuen uns, wenn Sie uns auch in unserem Jubiläumsjahr - und darüber hinaus weiter begleiten.

 

Ihr

Dr. Joachim Kreuzburg
Vorstandsvorsitzender