Lagebericht

Wirtschafts- und Branchenbericht

Weltwirtschaft mit moderatem Wachstum

Das Wirtschaftswachstum der OECD-Länder lag im ersten Quartal 2016 (letzte verfügbare Daten) mit einem Plus von 1,9% etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals von +2,0%.

Wachstumstreiber waren weiterhin die Schwellenländer, insbesondere der asiatische Wirtschaftsraum. So stieg das Bruttoinlandsprodukt Chinas trotz einer geringeren Dynamik bei der Industrieproduktion um +6,7% (Vorjahr +7,0%). Das Expansionstempo der indischen Wirtschaft zog nach einem Anstieg von +7,3% im Vorjahresquartal auf +8,0% an. Als eines der wenigen erdölimportierenden Schwellenländer konnte Indien in hohem Maße vom niedrigen Rohölpreis profitieren.

Das Wachstum der weltweit größten Volkswirtschaft USA verlor zu Jahresbeginn an Dynamik und belief sich auf +2,0% (Vorjahr +2,9%). Grund hierfür waren vor allem geringere Staatsausgaben sowie rückläufige Anlageinvestitionen.

Die Eurozone hat ihren Wachstumskurs im ersten Quartal 2016 fortgesetzt und wuchs angetrieben durch die weiterhin expansive Geldpolitik, den niedrigen Ölpreis und den schwachen Wechselkurs um +1,7% nach +1,3% im Vergleichsquartal.

Der Euro wertete gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn kontinuierlich auf, fiel infolge des britischen Referendums gegen die EU-Mitgliedschaft am Ende der Berichtsperiode jedoch wieder ab und notierte am 30. Juni bei 1,11 US-Dollar (31. Dezember 2015: 1,09 US-Dollar). Das weltweite durchschnittliche Zinsniveau verblieb im ersten Halbjahr 2016 weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau.

Quellen: OECD: Quarterly National Accounts, June 2016; German Chamber of Commerce in China: Wirtschaftsdaten China Q1/016; BMWI Monatsbericht 06-2016; Bloomberg.

Branchen entwickeln sich weiter positiv

Neben der biopharmazeutischen und pharmazeutischen Industrie gehören öffentliche Forschungseinrichtungen, die chemische Industrie sowie die Nahrungsmittelbranche zu den Hauptkunden von Sartorius. Von den Entwicklungen in den jeweiligen Branchen gehen entsprechend wichtige Impulse für die Geschäftsentwicklung des Konzerns aus.

Der weltweite Pharmamarkt verzeichnete nach Angaben des internationalen Marktforschungsinstitutes IMS Health in den vergangenen Jahren ein Wachstum von durchschnittlich rund 6% pro Jahr. Hierzu trugen die Regionen Asien und Lateinamerika aufgrund des Ausbaus staatlicher Gesundheitssysteme und steigender Ausgaben privater Haushalte überdurchschnittlich bei.

Innerhalb des Weltpharmamarktes wächst der Markt für biotechnologisch hergestellte Medikamente bereits seit Jahren überproportional und entwickelt sich gegenwärtig besonders dynamisch. Dies ist vor allem auf zahlreiche Neuzulassungen und die weitere Mark tdurchdringung vorhandener Arzneimittel zurückzuführen. Insgesamt hat sich der Umsatzanteil des Biotechmarktes in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt und erreichte zuletzt etwa 24%. Inzwischen befinden sich unter den Top 10 der umsatzstärksten Arzneimittel sechs Biologika.

Biosimilars, das heißt biologische Nachahmerprodukte, werden angesichts einer Vielzahl von Patentabläufen zunehmend an Bedeutung gewinnen. So wurden zum Ende des vergangenen Jahres bereits sieben Biosimilars zur Zulassung im wichtigen US-Markt eingereicht und in der Berichtsperiode der erste Biosimilar-Antikörper durch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA zugelassen.

Biotechnologische Herstellungsverfahren sind im Vergleich zu klassischen Produktionsprozessen weitaus komplexer und kostenintensiver. Daher arbeitet die Industrie kontinuierlich daran, die Herstellprozesse durch produktivere Lösungen effizienter zu gestalten. Einwegprodukte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie reduzieren die Produktionskosten signifikant, bieten eine höhere Flexibilität und ermöglichen eine schnellere Markteinführung.

Zu den Hauptkundengruppen der Sparte Lab Products & Services gehören neben der pharmazeutischen Industrie auch der öffentliche Forschungssektor sowie die Chemie- und Nahrungsmittelindustrie.

Der weltweite Labormarkt legte im vergangenen Jahr nach Angaben von Frost & Sullivan um +2,9% zu. Während die Wachstumsdynamik in Europa angesichts des moderaten Wirtschaftswachstums bei lediglich +1,9% lag, wuchsen die asiatischen Länder wie China und Indien deutlich überproportional. Der größte Markt für Laborprodukte, die USA, verzeichnete angetrieben durch eine starke Nachfrage der biopharmazeutischen Industrie sowie steigender Ausgaben des öffentlichen Sektors einen Anstieg von +3,0%.

Quellen: IMS Health: Delivering on the Potential of Biosimilars Medicines, March 2016; Global Medicines Use in 2020, November 2015; TOP 20 Global Products, December 2015; EvaluatePharma: World Preview 2015, Outlook To 2020, June 2015; www.gabionline.net, 8.4.2016; Frost & Sullivan: 2016 Spring Mid-year Report; May 2016.

Geschäftsentwicklung Konzern

  • Deutlich zweistelliges Wachstum bei Umsatz und Ertrag
  • Bioprocess Solutions entwickelt sich hervorragend; Auftragseingang wächst stärker als erwartet
  • Lab Products & Services setzt positive Geschäftsentwicklung fort
  • Konzernprognose für das Geschäftsjahr 2016 angehoben

Produktportfolio durch Akquisitionen erweitert

Im Zuge der kontinuierlichen Umsetzung seiner Strategie hat Sartorius seine Produktpalette in den letzten Wochen durch drei Akquisitionen mit innovativen, komplementären Technologien weiter ausgebaut. So wurde das Portfolio der Sparte Lab Products & Services durch den Erwerb der Unternehmen IntelliCyt und ViroCyt im Bereich der Bioanalytik erweitert und die Positionierung der Sparte bei Biopharmakunden und der öffentlichen Forschung verstärkt. Darüber hinaus hat die Sparte Bioprocess Solutions sein umfangreiches Angebot an Einweglösungen mit der Akquisition des Unternehmens kSep ergänzt.

Der Erwerb von IntelliCyt fand unmittelbar vor dem Ende der Berichtsperiode statt, die beiden anderen Akquisitionen kurz nach deren Ende. Dementsprechend hatten alle Unternehmenserwerbe keinen Einfluss auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung von Sartorius im ersten Halbjahr. Weiterführende Informationen finden sie auf den Seiten 7ff.

Sartorius mit zweistelligem Umsatzwachstum im ersten Halbjahr

Der Sartorius Konzern entwickelte sich im ersten Halbjahr 2016 mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten sehr dynamisch. So stieg der Umsatz bei einer positiven Geschäftsentwicklung beider Konzernsparten wechselkursbereinigt um 18,7% von 535,3 Mio. € auf 625,4 Mio. €; der nominale Anstieg belief sich auf 16,8%.

Umsatz und Auftragseingang

in Mio. € 6 Mon.
2016
6 Mon.
2015
Δ in %
nominal
Δ in %
wb1
Umsatz 625,4 535,3 16,8 18,7
Auftragseingang 677,6 577,8 17,3 19,5

1 Wechselkursbereinigt

In allen Regionen konnten zweistellige Wachstumsraten erzielt werden. Die Region Amerika, auf die etwa 34% des Konzernumsatzes entfiel, zeigte erneut die höchste Dynamik mit einem Anstieg von 24,7% auf 212,3 Mio. € (nominal +24,7% gegenüber 172,4 Mio. €).

1 ) wechselkursbereinigt

2 ) nach Sitz des Kunden

Die mit einem Umsatzanteil von rund 46% umsatzstärkste Region EMEA verbuchte in der Berichtsperiode ein Plus von 18,7% auf 288,1 Mio. € (nominal +17,1% gegenüber 245,9 Mio. €).

Der Umsatz in der Region Asien | Pazifik, die rund 20% des Konzernumsatzes ausmacht, erhöhte sich um 10,0% auf 125,1 Mio. € (nominal +6,9% gegenüber 117,0 Mio. €).

Alle Veränderungsraten zur regionalen Entwicklung sind wechselkursbereinigt, sofern nicht anderweitig angegeben.

Underlying EBITDA steigt überproportional

Sartorius verwendet als zentrale Ertragskennziffer das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation, das underlying EBITDA.

Der Sartorius Konzern steigerte sein Ergebnis im ersten Halbjahr 2016 aufgrund von Skaleneffekten erneut überproportional zum Umsatz. So stieg das underlying EBITDA um 26,6% von 121,1 Mio. € auf 153,4 Mio. €. Die EBITDA-Marge erhöhte sich entsprechend auf 24,5% nach 22,6% im Vorjahreszeitraum.

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge Konzern

in Mio. € 6 Mon.
2016
6 Mon.
2015
Δ
in %
Underlying EBITDA 153,4 121,1 26,6
Underlying EBITDA-Marge 24,5 22,6

Inklusive Sondereffekten in Höhe von –9,9 Mio. € (Vorjahr –3,8 Mio. €) und Abschreibungen stieg das EBIT des Konzerns von 90,6 Mio. € auf 109,9 Mio. €. Die Sondereffekte ergaben sich überwiegend aus verschiedenen spartenübergreifenden Projekten. Die EBIT-Marge erhöhte sich von 16,9% im Vorjahr auf 17,6%.

Das Finanzergebnis belief sich in der Berichtsperiode auf –3,9 Mio. € nach –15,2 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Diese Veränderung ist im Wesentlichen auf Bewertungseinflüsse aus Fremdwährungsverbindlichkeiten und Sicherungsgeschäften zurückzuführen.

Das Periodenergebnis lag bei 74,2 Mio. € gegenüber 91,7 Mio. € im Vergleichszeitraum. Der Vorjahreswert enthält 38,9 Mio. €, die auf die Veräußerung der Sparte Industrial Technologies im ersten Quartal 2015 entfallen.

Der Jahresüberschuss nach Anteilen Dritter belief sich auf 53,4 Mio. € nach 76,9 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Auf Minderheitenanteile entfielen 20,8 Mio. € (Vorjahr 14,8 Mio. €).

Maßgeblicher Jahresüberschuss steigt um 30,4%

Das maßgebliche, den Aktionären der Sartorius AG zuzurechnende bereinigte Periodenergebnis erhöhte sich um 30,4% von 47,81 Mio. € auf 62,4 Mio. € zu. Es ergibt sich durch die Bereinigung von Sondereffekten, der Herausrechnung nicht-zahlungswirksamer Amortisation sowie auf Basis eines normalisierten Finanzergebnisses, jeweils einschließlich entsprechender Steueranteile. Das bereinigte Ergebnis je Stammaktie stieg um 29,6% auf 0,91 € (Vorjahr 0,70 €) bzw. je Vorzugsaktie um 30,1% auf 0,92 € (Vorjahr 0,71 €). Die Vorjahreswerte wurden entsprechend dem am 13. Juni 2016 vollzogenen Aktiensplit angepasst.

in Mio. € 6 Mon. 2016 6 Mon. 20151
EBIT 109,9 90,6
Sondereffekte 9,9 3,8
Amortisation 8,5 6,9
Normalisiertes Finanzergebnis2 –6,8 –7,7
Normalisierter Steueraufwand (2016: 30%, 2015: 30%)3 –36,4 –28,1
Bereinigtes Ergebnis nach Steuern 85,0 65,6
Nicht beherrschende Anteile –22,6 –17,7
Bereinigtes Ergebnis nach Steuern und nach nicht beherrschenden Anteilen 62,4 47,8
Bereinigtes Ergebnis je Aktie    
je Stammaktie in €
0,91 0,704
je Vorzugsaktie in €
0,92 0,714

1 Fortgeführte Aktivität

2 Finanzergebnis bereinigt um Bewertungseffekte aus Sicherungsgeschäften und periodenfremde Aufwendungen und Erträge

3 Underlying Steueraufwand, basierend auf dem bereinigten Ergebnis vor Steuern und nicht-zahlungswirksamer Amortisation

4 Angepasst nach Aktiensplit; gerundete Werte

Operativer Cashflow entwickelt sich solide

Der Sartorius Konzern verzeichnete in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Netto-Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit von 43,1 Mio. € gegenüber 56,2 Mio. € im Vorjahr. Dabei wirkte sich insbesondere der saisonale und wachstumsbedingte Anstieg der Mittelbindung im Net Working Capital aus.

Der Mittelabfluss aus Investitionstätigkeit lag mit –69,0 Mio. € planmäßig über dem Vorjahreswert von –40,6 Mio. €. Die Investitionen in der Berichtsperiode entfielen unter anderem auf den Ausbau von Produktionskapazitäten sowie die Konsolidierung der Konzernzentrale in Göttingen.

Die Mittelabflüsse aus Akquisitionen im ersten Halbjahr in Höhe von 79,1 Mio. € spiegeln den Erwerb der IntelliCyt Corporation (vgl. Kapitel Geschäftsentwicklung Sparten) im Juni wider. Insgesamt betrug der Netto-Cashflow aus Investitionstätigkeit und Akquisitionen | Devestitionen –148,1 Mio. €. Der Vorjahreswert von 3,1 Mio. € war maßgeblich durch die Veräußerung der Sparte Industrial Technologies beeinflusst.

Zentrale Bilanz- und Finanzkennziffern weiterhin auf gutem Niveau

Die Bilanzsumme des Konzerns belief sich zum 30. Juni 2016 auf 1.673,8 Mio. € nach 1.437,2 Mio. € per 31. Dezember 2015. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf die Akquisition von IntelliCyt sowie den Ausbau des Working Capitals zurückzuführen.

Das Eigenkapital des Sartorius Konzerns erhöhte sich in der Berichtsperiode leicht von 644,8 Mio. € zum 31. Dezember 2015 auf 654,2 Mio. € zum Bilanzstichtag. Die Eigenkapitalquote lag mit 39,1% weiterhin auf einem komfortablen Niveau (31. Dezember 2015: 44,9%).

Die Bruttoverschuldung stieg aufgrund der vorgenannten Akquisition sowie des gestiegenen Working Capitals auf 559,9 Mio. € gegenüber 396,8 Mio. € zum 31. Dezember 2015. Die Nettoverschuldung lag bei 483,9 Mio. € (31. Dezember 2015: 344,0 Mio. €).

In diesem Zusammenhang stieg der dynamische Verschuldungsgrad, das heißt der Quotient aus Nettoverschuldung zu underlying EBITDA der letzten 12 Monate, etwas an und belief sich zum 30. Juni 2016 auf 1,6 nach 1,3 zum Jahresende 2015.

Anzahl der Beschäftigten erhöht

Der Sartorius Konzern beschäftigte zum 30. Juni 2016 weltweit insgesamt 6.697 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Vergleich zum 31. Dezember 2015 hat sich die Beschäftigtenzahl damit um 512 Personen bzw. rund 8% erhöht. Hierin enthalten sind 57 Mitarbeiter der akquirierten IntelliCyt Corporation. Regional betrachtet konzentrierte sich der Personalanstieg insbesondere auf die EMEA-Region. Mit 4.733 Mitarbeitern beschäftigte Sartorius in dieser Region 360 Personen mehr als zum Ende des Vorjahres. In der Region Amerika lag die Mitarbeiterzahl mit 919 Pers onen um 113 Mitarbeiter über dem Wert des Vorjahres. In Asien | Pazifik beschäftigte Sartorius zum Ende der Berichtsperiode 1.045 Personen (31.12.2015: 1.006 Mitarbeiter).

Geschäftsentwicklung Sparten

Bioprocess Solutions-Sparte entwickelt sich hervorragend

Die Sparte Bioprocess Solutions erzielte im ersten Halbjahr in einem weiterhin dynamischen Marktumfeld deutlich zweistellige Zuwachsraten. Angetrieben durch eine starke Nachfrage sowohl nach Einwegprodukten als auch nach Equipment legte der Spartenumsatz wechselkursbereinigt um 23,9% auf 469,8 Mio. € zu (nominal +22,1%). Alle Regionen verzeichneten deutliche Zuwächse. Neben der sehr guten organischen Geschäftsentwicklung trug der Einbezug der im April bzw. Juli 2015 akquirierten Unternehmen BioOutsource und Cellca rund 3 Prozentpunkte nichtorganisches Wachstum bei.

Bioprocess Solutions
in Mio. € 6 Mon.
2016
6 Mon.
2015
Δ in %
nominal
Δ in %
wb
Umsatzerlöse 469,8 384,9 22,1 23,9
– EMEA1 207,2 169,3 22,4 23,7
– Amerika1 181,1 142,6 27,0 28,5
– Asien | Pazifik1 81,5 73,0 11,6 15,1
Auftragseingang 519,2 427,9 21,4 23,5

1 Nach Sitz des Kunden

Der Auftragseingang der Sparte legte insbesondere aufgrund einiger größerer Equipment-Aufträge stärker als erwartet um wechselkursbereinigt 23,5% zu.

Das underlying EBITDA der Sparte Bioprocess Solutions legte in der Berichtsperiode signifikant um 31,0% von 97,8 Mio. € auf 128,1 Mio. € zu. Die entsprechende Marge stieg insbesondere aufgrund von Skaleneffekten von 25,4% auf 27,3%.

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge Bioprocess Solutions

in Mio. € 6 Mon.
2016
6 Mon.
2015
Δ
in %
Underlying EBITDA 128,1 97,8 31,0
Underlying EBITDA-Marge in % 27,3 25,4

Lab Products & Services setzt positive Geschäftsentwicklung fort

Die Sparte Lab Products & Services entwickelte sich im ersten Halbjahr 2016 mit einem Umsatzzuwachs von wechselkursbereinigt 5,5% auf 155,7 Mio. € (nominal +3,5%) weiter positiv und im Rahmen der Erwartungen. Insbesondere Laborverbrauchsmaterialien wie Laborfilter verzeichneten in der Berichtsperiode eine starke Nachfrage. Die Region EMEA zeigte mit einem Plus von 7,5% die größten Zuwachsraten, während die Region Asien | Pazifik das hohe Niveau des Vorjahres um 1,5% übertraf.

Mit der Übernahme der US-amerikanischen IntelliCyt Corporation am 28. Juni 2016 hat Sartorius sein Laborportfolio durch eine innovative, leistungsstarke Zellscreening-Plattform für die Arzneimittelforschung in den Bereich der Bioanalytik ausgeweitet. Für IntelliCyt wird in 2016 ein Umsatz von mehr als 18 Mio. US-Dollar erwartet; etwa die Hälfte hiervon wird im zweiten Halbjahr in den Umsatz des Sartorius Konzerns einbezogen werden. Das Erreichen der Gewinnschwelle (underlying EBITDA) ist für Ende 2017 geplant. Auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung des ersten Halbjahres hatte die Akquisition noch keinen Einfluss.

Lab Products & Services
in Mio. € 6 Mon.
2016
6 Mon.
2015
Δ in %
nominal
Δ in %
wb
Umsatzerlöse 155,7 150,5 3,5 5,5
– EMEA1 80,8 76,6 5,5 7,5
– Amerika1 31,2 29,9 4,5 6,4
– Asien | Pazifik1 43,6 44,0 –0,8 1,5
Auftragseingang 158,4 149,9 5,7 8,1

1 Nach Sitz des Kunden

Das Ergebnis der Sparte Lab Products & Services erhöhte sich im ersten Halbjahr 2016 um 8,4% von 23,4 Mio. € auf 25,3 Mio. €. Die Ergebnismarge verbesserte sich umsatzbedingt von 15,5% im Vorjahr auf 16,3%.

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge Lab Products & Services

in Mio. € 6 Mon.
2016
6 Mon.
2015
Δ
in %
Underlying EBITDA 25,3 23,4 8,4
Underlying EBITDA-Marge in % 16,3 15,5

Chancen- und Risikobericht

Die Chancen- und Risikosituation des Sartorius Konzerns hat sich seit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2015 nicht wesentlich verändert. Daher wird an dieser Stelle auf die ausführliche Beschreibung der Chancen und Risiken sowie des Risikomanagementsystems des Sartorius Konzerns auf den Seiten 53 ff. und 68 ff. des Geschäftsberichts 2015 verwiesen.

Das britische Referendum für den Austritt aus der Europäischen Union dürfte aus heutiger Sicht die Gesamtrisikosituation nicht wesentlich beeinflussen, da Sartorius überwiegend robuste Märkte adressiert.

Prognosebericht

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick durch politische Unsicherheiten belastet

Laut der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte das Expansionstempo der Weltwirtschaft im Gesamtjahr 2016 unter anderem aufgrund von politischen Unsicherheiten etwas geringer ausfallen als zu Jahresbeginn prognostiziert. Nachdem ursprünglich ein Wachstum von +3,4% erwartet wurde, geht der IWF nunmehr davon aus, dass die globale Wirtschaft um +3,2% wachsen wird (Vorjahr +3,1%). Mögliche negative Auswirkungen des britischen Referendums gegen die EU-Mitgliedschaft sind in dieser Prognose noch nicht berücksichtigt.

Für den US-amerikanischen Markt rechnet der IWF mit einer im Vergleich zum Vorjahr unveränderten Dynamik. So soll das Wirtschaftswachstum, angetrieben durch den privaten Konsum, mit einem Plus von 2,4% auf dem Niveau des Vorjahres liegen (Januar-Prognose +2,6%).

Während der IWF zu Beginn des Jahres für die Eurozone ein Wachstum leicht über Vorjahr (+1,6%) erwartet hat, wurde die Prognose zuletzt auf +1,5% gesenkt. Dämpfend sollen sich insbesondere geringere Exporte in die Schwellenländer auswirken. Dabei soll die Wirtschaft Großbritanniens um +1,9% zulegen, während für Deutschland und Frankreich ein Wachstum von jeweils +1,5% bzw. +1,1% erwartet wird.

Entgegen den gemäßigten Erwartungen für die Industrienationen und die Schwellenländer insgesamt hat der IWF seine Wachstumsprognose für die Region Asien leicht auf +6,4% angehoben. Treiber dieser Entwicklung dürfte der stärker als erwartete Anstieg der Wirtschaftsleistung Chinas von +6,5% sein (Januar-Prognose +6,3%). Positive Impulse sollen vor allem von finanzpolitischen Maßnahmen seitens der Regierung ausgehen.

Hinsichtlich des Zinsumfelds haben sich gegenüber unseren Ausführungen im Geschäftsbericht 2015 keine wesentlichen Änderungen ergeben. So gehen Experten weiterhin davon aus, dass die Leitzinsen im Gesamtjahr 2016 auf sehr niedrigem Niveau verbleiben. Die Marktprognosen bezüglich des Euro-US-Dollar-Wechselkurses bewegen sich für das zweite Halbjahr 2016 zwischen 0,99 und 1,24.

Quellen: International Monetary Fund, World Economic Outlook, April 2016; Reuters Forex Poll, Mai 2016.

Unverändert positives Branchenumfeld erwartet

Die im Geschäftsbericht 2015 auf den Seiten 61-63 dargestellten Trends, die die Entwicklung des Sartorius Konzerns beeinflussen, haben insgesamt unverändert Bestand.

Für den weltweiten Pharmamarkt wird in der Periode 2015 bis 2020 nach jüngsten Schätzungen mit einem durchschnittlichen Wachstum von 4% bis 7% pro Jahr gerechnet. Für das Teilsegment Biopharma rechnen Marktbeobachter angesichts der weiteren Penetration bereits zugelassener Biopharmazeutika, der Erweiterung ihrer Indikationsgebiete sowie starken Forschungs- und Entwicklungspipelines mit einem durchschnittlichen Zuwachs von jährlich rund 8% bis 9%.

Die weltweite Nachfrage nach Laborprodukten dürfte sich laut Frost & Sullivan weiterhin stabil entwickeln. So wird für das Jahr 2016 ein Zuwachs von rund 3% prognostiziert. Hierbei soll die Region Asien die größte Wachstumsdynamik aufzeigen, während für Europa ein moderater Zuwachs von etwa 2% erwartet wird.

Quellen: IMS Health: Delivering on the Potential of Biosimilars Medicines, March 2016; Global Medicines Use in 2020, November 2015 EvaluatePharma: World Preview 2015, Outlook To 2020, June 2015 and June 2014; Frost & Sullivan: 2016 Spring Mid-year Report; May 2016.

Prognose für das Geschäftsjahr 2016 angehoben

Angesichts der sehr guten Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr, dem starken Auftragseingang der Sparte Bioprocess Solutions sowie der jüngsten Akquisitionen erhöht und präzisiert die Unternehmensleitung die Prognose für das Geschäftsjahr 2016 wie folgt:

Konzern

Auf Basis konstanter Wechselkurse soll der Umsatz des Konzerns im Gesamtjahr nunmehr um etwa 15% bis 18% steigen. Nach der bisherigen Prognose wurde ohne die Akquisitionen von IntelliCyt, kSep und ViroCyt ein Wachstum von etwa 10% bis 14% erwartet. Die underlying EBITDA-Marge soll im Vergleich zum Vorjahreswert von 23,6% auf etwa 25,0% zulegen (bisherige Prognose etwa +1 Prozentpunkt).

Für das Jahr 2016 plant Sartorius unverändert Investitionen in Höhe von etwa 10% des Umsatzes. Schwerpunkte der Investitionstätigkeit bleiben weiterhin die Zusammenführung und Erweiterung der Konzernzentrale in Göttingen sowie der Ausbau der weltweiten Produktionskapazitäten und der IT-Infrastruktur.

Mit Blick auf die Finanzlage dürfte der dynamische Verschuldungsgrad angesichts der jüngsten Akquisitionen zum Ende des laufenden Jahres unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2016 von 1,6 liegen. Mögliche weitere Akquisitionen sind dabei nicht berücksichtigt. Die bisherige Prognose sah ohne Akquisitionen einen dynamischen Verschuldungsgrad unter dem Vorjahreswert von 1,3 vor.

Sparten

Für die Sparte Bioprocess Solutions erhöht die Unternehmensleitung aufgrund einiger größerer Equipment-Aufträge und dem insgesamt positiven Geschäftsausblick ihre Umsatzprognose von bisher etwa 13% bis 17% auf etwa 19% bis 22%. Hierin enthalten ist ein nicht-organischer Wachstumsbeitrag von gut 2 Prozentpunkten aus der Konsolidierung der beiden im Vorjahr akquirierten Unternehmen BioOutsource und Cellca sowie der ab dem zweiten Halbjahr 2016 einbezogenen kSep. Die underlying EBITDA-Marge soll gegenüber dem Vorjahreswert von 26,5% auf rund 28,0% steigen (bisherige Prognose rund +1 Prozentpunkt).

Mit Einbezug der akquirierten Unternehmen IntelliCyt und ViroCyt und unter der Annahme eines insgesamt stabilen konjunkturellen Umfelds rechnet Sartorius für die Sparte Lab Products & Services nun mit einem Umsatzzuwachs von etwa 6% bis 9% (bisherige Prognose etwa 3% bis 7%). Die Akquisitionen sollen im laufenden Jahr dabei etwa 3 Prozentpunkte zum Wachstum der Sparte beitragen. Da beide Akquisitionen das Ergebnis vorübergehend etwas verwässern werden, erwartet die Unternehmensleitung, dass die underlying EBITDA-Marge der Sparte etwa auf dem Vorjahresniveau von 16,0% liegen wird. Ohne diese Ergebnisverwässerung würde unverändert mit einer um rund 1 Prozentpunkt verbesserten underlying EBITDA-Marge gerechnet werden.

Alle Prognosen auf Basis konstanter Wechselkurse.

Nachtragsbericht

Sartorius hat über seinen Teilkonzern Sartorius Stedim Biotech am 6. Juli 2016 einen Vertrag über den Erwerb des US-Start-up-Unternehmens kSep Holdings, Inc., mit Sitz in Morrisville, North Carolina, USA, unterzeichnet. kSep entwickelt und vertreibt vollautomatische Einweg-Zentrifugen für die Biopharma-Produktion und ergänzt somit das Produktportfolio der Sparte Bioprocess Solutions.

Für kSep wird im laufenden Geschäftsjahr deutlich zweistelliges Wachstum und ein Umsatz von mehr als 7 Mio. US-Dollar bei einer signifikant zweistelligen EBITDA-Marge erwartet. Der Abschluss der Transaktion, die kSep mit rund 28 Mio. US-Dollar bewertet, wird Ende Juli 2016 erwartet.

Darüber hinaus hat Sartorius am 15. Juli 2016 den Erwerb von ViroCyt Incorporated bekanntgegeben, einem Anbieter innovativer und besonders zeitsparender Lösungen zur Virenquantifizierung. Für das Start-up-Unternehmen mit Sitz in Broomfield, Colorado, USA, wird im Jahr 2016 deutlich zweistelliges Wachstum und ein Umsatz von mehr als 3 Mio. US-Dollar erwartet; die Gewinnschwelle (underlying EBITDA) soll Ende 2018 erreicht werden. Der Kaufpreis liegt bei rund 16 Mio. US-Dollar. Nach der Akquisition des Zellscreening-Spezialisten IntelliCyt ergänzt Virocyt das Portfolio der Sparte Lab Products & Services nun um ein weiteres sehr innovatives System im Bereich der Bioanalytik.

Die Konsolidierungszeiträume für kSep und ViroCyt werden sich im Jahr 2016 auf gut 5 Monate belaufen und somit entsprechende Anteile der jeweiligen vorgenannten Jahresumsätze in den Konzernumsatz einbezogen.